What are my basic values?

Das ganze Nachdenken über Grundwerte, und darüber, wie sie dir im Alltag helfen… Das ist ja alles schön und recht, aber — woher sollst du eigentlich wissen, was deine eigenen Grundwerte sind?

Zum Glück ist es so, dass jeder von uns seine oder ihre ganz eigenen Grundwerte hat. Wäre ja auch schlimm, wenn wir alle gleich wären…

Und auch der Weg hin zum Finden der eigenen Grundwerte ist ganz individuell: Vielleicht hast du ja schon eine Vorstellung davon, welche Werte dir besonders wichtig sind. Vielleicht hast du dich auch noch nie damit beschäftigt. Oder du hast so eine grobe Ahnung, kannst dich aber nicht recht entscheiden.

Zum Glück gibt es aber Techniken, mit denen du deinen ganz eigenen Werten ein Stück näher kommen kannst. Ich werde gleich ein paar davon beschreiben, aber zuvor müssen zwei wichtige Dinge gesagt werden…

  1. Das Finden deiner Grundwerte ist ein Prozess. Und zwar ein Prozess, der wahrscheinlich dein Leben lang andauern wird.

    Die meisten Werte, die dir wichtig sind, werden dich wahrscheinlich auch ein Leben lang begleiten. Aber als Mensch wächst du immer weiter. Du lernst neue Dinge über dich und über die Welt. Und Sachen, die dir vielleicht in manchen Lebensphasen wichtig sind, verlieren irgendwann wieder an Bedeutung — oder umgekehrt, du merkst vielleicht erst nach einiger Zeit, wie wichtig dir ein Wert ist, den du vorher als völlig selbstverständlich angenommen hast.

    Deshalb nehme ich auch meine eigene Liste mit Grundwerten immer mal wieder zur Hand und denke darüber nach. In der Regel ändert sich nicht viel außer vielleicht kleinen Verschiebungen in der Reihenfolge (= Wichtigkeit). Aber manchmal kommt es doch vor, dass mir etwas Neues bewusst wird, dass ich vorher so noch nicht gesehen habe.

    Wie alle menschliche Entwicklung ist deshalb auch die Liste deiner Grundwerte nie abgeschlossen, und das ist auch gut so.

    Du solltest dir deshalb gerade jetzt am Anfang genügend Zeit gönnen, bis du diese Liste erstellt hast. Sei nicht frustriert, wenn du immer mal wieder darüber nachdenkst, dir Ideen kommen, oder du dich nicht gleich entscheiden kannst. Früher oder später wirst du klarer sehen und wissen, was für dich wichtig ist.

  2. So individuell wie unsere Werte ist auch der Prozess, mit dem wir sie uns bewusst machen.

    Die Techniken unten sind deshalb nur Anregungen. Wenn eine davon dir überhaupt nichts gibt, dann lass es einfach sein und benutze stattdessen eine andere.

    Und wenn du selbst noch andere Techniken hast, die dir beim Herausarbeiten deiner Grundwerte geholfen haben, dann teile sie mit uns allen — in einem Kommentar am Ende dieses Textes!

Und nun… auf zur Entdeckung deiner eigenen Grundwerte! 🙂

Technik 1: Der direkte Weg

Der direkte Weg ist ganz einfach:

Nimm dir etwas zu schreiben und eine halbe Stunde Zeit. Beginne mit einer großen Überschrift “Meine Grundwerte”, und dann sammle einfach alle Dinge, die dir einfallen (zunächst ohne zu zensieren oder auszusortieren).

Wahrscheinlich wird deine Liste zuerst relativ lang.

Danach nimmst du dir dann Zeit, diese Liste nach und nach immer weiter zu reduzieren, bis nur noch die Werte darauf stehen, die dir die Allerwichtigsten sind.

Möglicherweise dauert das ein paar Tage oder auch Wochen, weil dir immer mal wieder neue Dinge einfallen oder du dich nicht gleich entscheiden kannst. Das ist in Ordnung — es kommt hier nicht auf Geschwindigkeit an, sondern darauf, dass du für dich persönlich herausfindest, was dir wirklich wichtig ist im Leben.

Technik 2: Erlebnisse, die dir wichtig sind

Manchmal kommt man auf dem direkten Weg nicht weiter, weil man einfach festhängt. Anstatt dann gewaltsam ein Ergebnis erzwingen zu wollen, ist es oft besser, wenn du dich der Frage von der Seite oder von hinten annäherst. Damit regst du dein Unterbewusstsein dazu an, kräftig über Lösungen nachzudenken…

Eine Möglichkeit ist z.B., dich zu fragen, welche bisherigen Erlebnisse in deinem Leben dir besonders wichtig sind. Vielleicht der Tag, an dem dein Chef dich vor allen Kollegen für deine besonderen Leistungen gelobt hat? Oder die Geburt deines Kindes?

Und was genau war dir denn an diesen Erlebnissen so wichtig und bedeutend?

Z.B. für das Lob durch deinen Chef: War es die Tatsache, dass du Ruhm oder Ehre erfahren hast? Oder dass du eine besondere intellektuelle Leistung erbracht hast? Oder dass du danach sozial besser eingebunden warst? Oder die finanzielle Belohnung?

Eins ist hier besonders wichtig: Manche dieser Gedanken rufen bei dir vielleicht ein gewisses Unwohlsein hervor. Vielleicht fühlst du dich z.B. nicht wohl bei dem Gedanken, dass “Ruhm” oder “Reichtum” einer deiner Grundwerte sein könnten.

Wenn das so ist, dann solltest du dir diese Gedanken bewusst machen und noch ein bisschen weiter darüber nachdenken. Oft steckt hier die Gelegenheit, etwas sehr Interessantes über dich selbst zu lernen: Entweder, warum es in einem bestimmten Bereich deines Lebens (z.B. Wohlstand) nicht so funktioniert, wie du dir das vielleicht wünschen würdest. Oder etwas über dein Idealbild von dir selbst. Oder du stellst vielleicht überrascht fest, dass einer dieser sich unbequem anfühlenden Werte tatsächlich ein wichtiger Grundwert für dich ist, und dass du dich in diesem Bereich bisher allzusehr von der Meinung anderer hast beeinflussen lassen.

So oder so lohnt es sich, hier noch einmal etwas weiter in die Tiefe zu gehen.

Technik 3: Was würde ich jetzt lieber tun?

Das funktioniert besonders gut, wenn du im Alltag immer mal wieder Situationen hast, in denen du völlig frustriert bist oder wirklich viel lieber etwas anderes tun würdest.

Anstatt nur frustriert zu sein, hältst du von jetzt an in diesen Situationen kurz inne und überlegst: WAS GENAU würde ich denn gerne stattdessen tun? Und warum ist mir diese andere Sache wichtiger?

Technik 4: Die Laudatio

Stell dir vor, bei einem Ereignis deiner Wahl (Nobelpreisverleihung, Wahl zum was-auch-immer, wichtiger beruflicher oder privater Meilenstein, dein 90. Geburtstag, …) wird von einem oder mehreren Rednern deiner Wahl eine Lobrede auf dich gehalten.

Schreib diese Lobrede so detailliert wie möglich auf. Übertreibe ruhig, niemand außer dir wird sie je lesen! 😉

Danach schaust du sie dir noch einmal in Ruhe an: Wofür bist du gelobt worden? Und worauf warst du besonders stolz, als du die Rede gehört hast?

Technik 5: Dein Grabstein

Es ist hoffentlich jedem klar, dass es hier nur um ein Gedankenspiel geht… 😉

Stell dir vor, in einer hoffentlich sehr fernen Zukunft besuchen Menschen nach deinem Tod den Friedhof, auf dem dein Grab liegt.

Was soll über dich auf deinem Grabstein stehen? Womit möchtest du in Erinnerung bleiben?

Von diesen Gedanken auf deine Grundwerte kommen

All diese Anregungen können dir dabei helfen, eine Liste mit deinen Grundwerte zu erstellen. Allerdings führen die meisten nicht direkt zu dieser Liste, sondern du musst noch ein bisschen weiterdenken.

Wenn z.B. in einer Lobesrede auf dich ein Satz stehen sollte wie “Er hatte immer ein offenes Ohr für seine Freunde und war Tag und Nacht für sie da.”, dann könnte “Freundschaft” einer deiner Grundwerte sein, aber auch “Hilfsbereitschaft” oder “Mitgefühl”. Was genau dir daran wichtig ist, musst du für dich selbst herausfinden.

Geh also alles, was du dir (hoffentlich!) notiert hast, noch einmal mit offenem Geist durch und überlege, welche Grundwerte du daraus ablesen kannst. Nimm nur die Werte, die sich für dich auch gut und richtig anfühlen. Denk daran: Es muss für dich passen, nicht für jemand anderen.

Und nun: Viel Freude beim Herausfinden deiner ganz eigenen Grundwerte!


Dieser Text ist der dritte Teil in meiner Serie über Grundwerte. Du findest den ersten Teil hier: Was will ich wirklich?, und den zweiten Teil hier: Dich selbst im Alltagswahnsinn nicht verlieren.

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